Haftnotiz 86: Blogger-Krimi – Rezension

Nach langer Zeit möchte ich hier wieder etwas über ein Buch schreiben, das ich vor wenigen Tagen gelesen habe. Vero hatte sich ja mal vor längerer Zeit Rezensionen gewünscht. Sie hatte mir auch geraten, Pingbacks wieder zu verwenden, was ich hier nach langer Zeit wieder versuchen möchte. Vielleicht weiß sie oder einer der anderen Leser, ob man das Cover eines Buchs so einfach kopieren und in einen privaten Blog einfügen darf. Es handelt sich um da neue Buch von Joanne Harris und heißt Blaue Augen. Auf dem Cover ist ein Mann, der im Buch als Mann in den Vierzigern geschildert wird, der aber auf dem Cover jünger wirkt. Durchdringende blaue Augen blicken den Leser aus einem grau/schwarzen Hintergrund an. Joanne Harris ist die britische Autorin, die die Romanvorlage für den Film „Chocolat“ geschrieben hat. Sprachgewaltig, wie in ihren anderen Büchern, lotet Harris das Böse in ihrem neuen Buch aus. Früher schrieb man Brief- oder Tagebuchromane. Harris hat nun einen Blogger-Krimi vorgelegt. „blauauge“ ist in den Vierzigern, lebt bei seiner herrschsüchtigen alleinerziehenden Mutter. Er hat auch zwei Brüder, mit denen er sich aber nie verstand. Im Blog „boesebuben“ traut sich „blauauge“ seine bösen und brutalen Gefühle, Erlebnisse und Gedanken zu erzählen und sich mit anderen Gleichgesinnten auszutauschen, die ebenfalls dort im Blog schreiben. „blauauge“ erzählt seine Lebensgeschichte, wie er bereits als Kind vor der Geburt im Leib seiner Mutter seinen Zwillingsbruder „verschluckt“ habe. Er sehnt sich nach Aufmerksamkeit und danach, etwas Besonderes zu sein, aber er ist nur ein Sohn einer alleinerziehenden Mutter, die sich als Putzfrau ihr Geld verdient. Nie kann sich der Leser sicher sein, was real ist, was Phantasie. Hat „blauauge“ wirklich mehrere Morde begangen, die er im Blog gesteht? Und dann kommt eine weitere Bloggerin ins Spiel: Albertine. Irgendwie sind sie und „blauauge“ miteinander verbunden. Auch ihre Blogeinträge werden ins Buch eingeflochten. Soweit die Blogeinträge öffentlich und nicht als private Einträge eingeschränkt zugänglich sind, hat Harris auch Kommentare der Mit-Blogger angefügt. Das ganze Buch ist ein Spiel mit den Identitäten, die sich Menschen im Netz geben: nicht nur falsche Namen, sondern auch ein ständiger Wechsel zwischen einem Schreiben in der ersten und dritten Person, ein Wechsel zwischen Phantasie und Realität – wo fängt das eine an, wo hört das andere auf? Je weiter man als Leser kommt, umso mehr überraschende Wendungen nimmt das Buch. – Vielleicht ist nur das letzte Kapitel in dem Punkt etwas unrealistisch, dass „blauauge“ sich im dramatischen Ende Zeit nimmt, an seinem Blog zu schreiben. – Auf jeden Fall ein Buch, dass sich zu lesen lohnt.

7 Antworten zu “Haftnotiz 86: Blogger-Krimi – Rezension

  1. Hallo Lemy, ich finde die Frage nach der Verwendung des Covers auch interessant, weiß aber leider keine Antwort darauf :(. Eine Recherche dazu hat mir folgendes verraten: Es scheint von Verlag zu Verlag unterschiedliche Herangehensweisen zu geben :/ – random house z.B. scheint es in Ordnung zu finden: http://www.randomhouse.de/randomhousefaq.jsp. In einem anderen Beitrag fand ich die Info, dass es als „Ornament“ legitim zu sein scheint: http://www.123recht.net/forum_topic.asp?topic_id=38674&ccheck=1 – das scheint mir die passendste Antwort. Ich selbst helfe mir in der Regel damit, dass ich einfach ein Foto von dem Buch mache und dann das verwende.
    Es geht wohl vor allem darum, ob Du Geld verdienen willst mit und an den Werken anderer. Noch dazu welches, was Du „behalten“ willst, statt es mit denen zu teilen, die Dir das Verdienen überhaupt erst ermöglicht haben. So, wie ich Dich einschätze, geht es aber hier tatsächlich um eine „ornamentale Verwendung“, oder?
    Vielleicht aber auch darum, wer die längeren Kommentare schreiben kann? 😉 Belustigte Grüße von Vero und ihren Katern

  2. Ach neee … wer die längeren Kommentare schreibt darum geht es mir gar nicht, aber ich merke schon wieder, ich werde „geschwätzig“. Das ist aber lieb von Dir, dass Du versucht hast, etwas herauszubekommen :-D. Du hast richtig vermutet, dass es mir nur um die „ornamentale Verwendung“ geht. Eine virtuelle Bleiwüste sieht nun mal nicht besonders schön aus und was länge dann bei einer Rezension eines Buch nähe, wie ein Bild vom Cover. Ha, vielleicht schaffe ich ja doch noch den längeren Kommentar??? „Ornamentale Verwendung“ habe ich noch nicht als Begriff gehört, hört sich aber nett an. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Jurist diesen Begriff geprägt hat! So toll der Kurs Bibliothek 2.009 gemacht war – mein Gott ist das schon lang her !!! – die Frage der Verwendung von Buchcover hätte bei einem solchen bibliothekarischen Kurs eigentlich nahegelegen!
    Grinsende Grüße aus Buchhausen
    Lemy

  3. Hey – GUTE Idee – ich habe jetzt einfach mal eine Suchmaschine „Gefüttert“ und bin auf dem netbib-Blog gelandet – und habe dort auf diese Frage bzw. diesen Artikel verwiesen – mal schauen, ob das eine Antwort bringt:
    http://log.netbib.de/archives/2009/07/10/resonanz-zu-bibliothek-2009/comment-page-1/#comment-47707. Zusammen schaffen wir das bestimmt!
    LG Vero (lächelnde? liebe? lotsende?) mit Pennkatern

  4. Hallo,

    was du normalerweise machen darfst, ist einfach ein Foto vom Buch zu schießen und das hier zu veröffentlichen (Keine Rechtsauskunft!). Oder du schreibst einfach einmal die Presseabteilung des Verlags an, normalerweise bekommst du Bildmaterial für Rezensionen ohne Probleme. Die freuen sich in der Regel über Werbung.

    Viele Grüße

    Anika

  5. Hier ist fein zu unterscheiden – „dürfen“ darf das niemand ohne zu fragen (und die Genehmigung zu erhalten) – siehe Kommentare in Haftnotiz 88. Das ist so ähnlich wie mit dem Abstellen von Motorrädern auf Gehwegen. Es gibt Städte, in denen wird das geduldet – lies: hingenommen. So wie das Parken bzw. Stehen in der 2. Reihe ebenfalls oft hingenommen wird (durchaus zum Ärger derer, die dadurch behindert werden). So wird wohl oft das Abbilden von Cover-Fotos „hingenommen“ (falls es denn überhaupt wahr-genommen wird). Eine andere Variante bildet der Anschluss an https://partnernet.amazon.de/ – das bedeutet allerdings die Aufgabe der Anonymität und eine nicht zu leugnende „Kommerzialisierung“ – ich schätze, dass das in keinem der hier „gemeinten“ Blogs von Interesse sein dürfte.
    Nichtsdestotrotz für diesen Kommentar dankende Grüße
    von Vero samt Pennkatern

    • Ich bin da ganz Deiner Meinung. Wahrscheinlich würde es in der Regel nicht registriert werden. Die erwähnte Möglichkeit über Amazon ist mir zwar auch klar, aber ich sehe darin ebenso eine Kommerzialisierung, die ich nicht beabsichtige.
      Schöne Grüße auch an die Pennkater, denn ich bin nur mit Mühe verspätet heute aus dem Bett gekommen
      Lemy

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