Haftnotiz 87: Mark Brandis und das strahlende Erbe

Vor über einem Monat ist das Erdbeben in Japan gewesen, in deren Folge der Tsunami und die Atomkatastrophe von Fukushima geschah. Diese Häufung von Katastrophen, Tod und Leid sind zu massiv und nachwirkend, um banale Blogeintrag zu schreiben.

Der Zufall wollte es, dass ich, als die Katastrophe in Japan geschah, gerade den Band Operation Sonnenfacht aus der Mark Brandis-Reihe gelesen hatte. Ich hatte hier in meinem Blog bereits einmal auf die derzeitige Umsetzung in eine Hörspielreihe berichtet. Die Bücher, die Nikolai von Michalewsky in den Siebzigern und Achtzigern als Jugendbücher unter dem Pseudonym Mark Brandis in der Ich-Form verfasst hatte, waren zwar Zukunftsromane, Sciene Fiction, aber es waren bodenständige Geschichten, die nicht von fernen Galaxien oder Außerirdischen handelten. Michalewsky setzte sich im Gewand der Science Fiction mit ganz gegenwärtigen Problemen auseinander. Dabei war auch die Technik nicht im Vordergrund, sondern moralische Probleme und der Mensch stand im Mittelpunkt.

Bereits 1975 erschien in der Mark Brandis Reihe: Operation Sonnenfracht und damit ein Zyklus um atomare Abfälle, die man im 20. Jahrhundert im Berg Kilimandscharo als vermeintlich sicheres Endlager abgeladen und einbetoniert hatte. Im 21. Jahrhundert wird die Welt von Mark Brandis von überraschenden, weltweiten Erdbeben heimgesucht. Und auch das „Endlager“ im Kilimandscharo scheint nicht mehr sicher zu sein. Die zivile Weltraumbehörde VEGA bekommt den Auftrag mit einer umgebauten Flotte von Raumschiffen das strahlende Erbe der Vergangenheit, 3,4 Millarden Liter atomarer Flüssigkeiten, ferngesteuert in die Sonne zu schicken. Zuerst scheint das Unternehmen „Operation Sonnenfracht“ zu funktionieren, mit dessen Leitung Mark Brandis beauftragt wurde. Mark Brandis zweifelt und verzweifelt an der Aufgabe und deren Gelingen. Er ist nicht einfach ein strahlender Held, dem alles gelingt.

In den folgenden Bänden wird die atomare Katastrophe, das Auseinanderbrechen der gesellschaftlichen Konventionen und der Versuch der Menschen mit noch mehr Technik die Folgen des strahlenden Erbes zu beseitigen in einer spannenden Erzählung verpackt, die in der Zukunft spielt. Es sind natürlich „nur“ Romane – aber sind die realen Vorgänge so weit entfernt?!

  • Operation Sonnenfracht
  • Alarm für die Erde
  • Countdown für die Erde
  • Kurier zum Mars

Kann man eine Technik verantworten, deren Folgen  auch erst in Jahrhunderten eintreten könnten? Eine durchaus ethisch-moralische Frage für die Gegenwart und Zukunft.

Im Buch Operation Sonnenfracht heißt es: Zitat: „Das vom Fortschrittswahn berauschte Zwanzigste Jahrhundert hatte uns sein tödliches Erbe hinterlasssen, leichtfertig, skrupellos, ohne sich den Kopf zu zerbrechen, ob wir, die Nachkommen, es überhaupt wollten.“

Zitiert nach der Neuauflage des Bandes aus den Siebzigern: Brandis, Mark: Operation Sonnenfracht. Nittendorf, 2009, S. 32

Können wir den Nutzen der Energiegewinnung für uns in Anspruch nehmen und die Lasten noch nicht geborene Generationen überantworten? – Dem Zitat aus dem Buch „Operation Sonnenfracht“ ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Weitere Informationen zu den Büchern, der Umsetzung als Hörspielreihe, sowie dem Zyklus um die Operation Sonnenfracht.

4 Antworten zu “Haftnotiz 87: Mark Brandis und das strahlende Erbe

  1. wow bzw. miau! Ich bin beeindruckt von der Wandlung, was den Begriff von Haftnotizen (oder/und der Haftung für deren Inhalte?) betrifft. Ich wünsche Dir SEHR, dass auch noch andere davon beeindruckt sind (und dies gar auch kund tun?) – schließlich schreibst Du dieses Blog nicht (vor allem?;) ) wegen mir, so weit ich das verstanden habe🙂🙂🙂

    Frühlingshafte Grüße
    Vero & Kater

    • Ich freue mich, über Deinen Kommentar. Ich bin schon einige Tage mit der Idee gegangen, ob ich etwas zu dem Thema schreiben soll oder „kann“. Wenn ein Erwachsener Science Fiction liest und dann auch noch Jugendbücher, die er als Jugendlicher gelesen hat, dann kann dies so mancher in den falschen Hals bekommen. Zudem hatte ich die Befürchtung, dass mir die gedankliche Verknüpfung mit dem Thema der Katastrophen in Japan mit einer „schöden“ Jugendbuchreihe als unpassend ansehen könnte. Ich finde, dass der Autor seinen eigenen moralischen Anspruch – obwohl er keinen lehrerhaften Zeigefinger hebt – im Kleid abenteuerlicher Zukunftsromane eine ernsthafte Botschaft vermitteln wollte. Ob es moralisch vertretbar ist, dass unsere Generationen des 20. Jahrhunderts zukünftigen Menschen ein Erbe hinterlassen können, was mit so weitreichenden Konsequenzen gefährlich werden? – Ich denke, auch das wäre ein Thema für die Ethik-Kommission, die in Deutschland derzeit die zukünftige Energiepolitik aus moralischer Sicht beleuchten soll.
      Leider ist die Zahl der Kommentierenden – trotz der kontinuierlichen Zugriffsraten – doch arg begrenzt, was ich mir anders wünschen würde, aber ich kann es auch nicht erzwingen – aber wer weiß, vielleicht schreibe ich auch Deinetwegen😎 = schnell-die-Augen-hinter-einer-dicken-Sonnenbrille-verdeckend. Also: herzlichen Dank für das dicke Lob mit ebenso frühlingshaft-sommerlichen Grüßen auch an die Felltragenden
      Lemy
      Hast Du oder vielleicht ein anderer Leser eine verlässliche Quelle, ob man das Urheberrecht verletzt, wenn man Buchcover im eigenen Block abbildet? – Vielleicht sollte ich alle neuen Kommentare lesen, bevor ich noch mal frage. Ich habe soeben Deinen Kommentar dazu unter Haftnotiz 86 gefunden.

  2. Pingback: Haftnotiz 110: Mark Brandis und das strahlende Erbe – 2 | Lemy's Blog

  3. Pingback: Haftnotiz 228: Mark Brandis “Triton-Passage” – OT | Lemy's Blog

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