Haftnotiz 89: Sinn des Lebens – Rezension

Ich habe ein neues Buch, eine Autobiographie, eines österreichischen ehemaligen Unternehmers und Segelfliegers gelesen:

Rabeder, Karl ; Schächtele, Kai: Wer nichts hat, kann alles geben : wie ich meine Reichtümer gegen den Sinn des Lebens eintauschte. – München: Ludwig Verlag, 2011. – 240 S. ISBN 978-3-453-28023-6

Karl Rabeder lernte bereits als Kind, dass das Leben nicht dafür da wäre, es zu genießen, sondern dass man ständig in Bewegung und bei der Arbeit sein müsse. Entsprechenden Einfluß hatte seine Großmutter, bei der er mit seiner Mutter seine Kindheit und Jugend verbrachte. Aus kleinen Anfängen heraus, entwickelte sich ein großes Unternehmen zur Herstellung und Vertrieb von Weihnachtsgestecken, Silvesterglücksfiguren u.ä. Dingen zur Verschönerung von Wohnungen. Sein Unternehmen wurde durch seine Zielstrebigkeit so erfolgreich, dass er schon bald zum Millionär und erfolgreichen Segelflieger wurde, der an Wettkämpfen teilnahm.

Er hatte alles, was andere sich in Tagträumen schon mal wünschen. Aber er fand keinen Sinn in seinem Tun. Auf seinen weltweiten Segelfliegerreisen lernte er aber die einfachen Menschen in Lateinamerika kennen: Menschen, die kaum die materiellen Grundlagen für ihr Leben haben, aber trotzdem lachten, herzlich waren und sich über die kleinen Dinge des Lebens freuten.

Diese Erlebnisse brachten in Karl Rabeder eine Veränderung in Gang. Er verkaufte seine Firma, wie auch seine Traumvilla, die er über eine Verlosung abgab und nutzte das Geld für die Anschubfinanzierung seiner Entwicklungshilfeorganisation MyMicrocredit. Nach dem Vorbild der Grameen Bank des Muhammad Yunus in Bangladesh wollte Rabeder nicht Spenden in Entwicklungsländer vermitteln, sondern Kleinstkredite für Kleinstgewerbetreibende, die sich mit dem Geld selbstständig machen können, um ihre eigene Familie zu ernähren. Die Kredite, die von Europa aus gezielt einzelnen Menschen gewährt werden können, werden dann von den Kreditnehmern zurückgezahlt, wenn sie nach entsprechender Ausbildung und Schulung Grundlagen der Unternehmensführung gelernt haben.

Rabeder spricht sich dafür aus, dass jeder überlegen solle, ob es Sinn macht, einem Beruf, einer Arbeit nachzugehen, die ihn nicht erfüllt. Lieber solle man auf etwas Gehalt verzichten und einer Arbeit nachgehen, die einem eine Sinnerfüllung vermittelt. Das Buch hinterlässt in meinen Augen zwiespältige Gefühle: nicht jeder in Deutschland kann sich „aussuchen“, welche Arbeit er nachgeht: die freien Arbeitsstellen fehlen oder man hat vielleicht nur einen Job, der ohnehin nicht den Lebensunterhalt deckt, so dass man dann einer zweiten Arbeit nachgehen muß. Auf der anderen Seite zeigt ein Beispiel wie das von Rabeder, dass alles Jagen nach Geld, Reichtum und äußerer Anerkennung nicht der Sinn im Leben sein kann. Auf jeden Fall ist es aber ein Buch, was zur Diskussion und zum Nachdenken über das eigene Leben anregen kann. Abbildungen des Buchs und weitere Informationen können in diesem, wie auch in jedem anderen Fall einer Buchrecherche ganz einfach über den Karlsruher Virtuellen Katalog durchgeführt werden. Dort sind auch alle wichtigen Buchhandelskataloge angeschlossen. Bei Buchkatalog.de ist auch eine Leseprobe abrufbar.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s