Archiv der Kategorie: Rezension

Der verzauberte Turm – Gesellschaftsspielrezension

Winterzeit ist auch Gesellschaftsspielezeit. Es gibt natürlich diverse Brettspiele für Erwachsene, wo die Spielregeln schwierig sind und einen Einstieg in den Spielespaß erschweren. Deshalb möchte ich ein Kinderspiel an dieser Stelle präsentieren, was uns im Praxistest Spaß gemacht hat, obwohl wir keine Kinder in der Runde hatten.

Bei „Der verzauberte Turm“ geht es darum, dass die Prinzessin vom bösen Zauberer Rabenhorst in einem Turm im verwunschenen Wald eingeschlossen hat. Den Schlüssel zum Turm hat er im Wald versteckt. Das Spiel ist für 2-4 Märchenfreunde gedacht. Ein Mitspieler übernimmt die Rolle des bösen Zauberers Rabenhorst. Die Anderen treten als Gruppe für den Helden Robin an, der die Prinzessin aus dem verschlossenen Turm befreien möchte. Im Spielekarton bleibt das Spielbrett, auf dem die Wege durch den Wald eingezeichnet sind. Allerdings befinden sich auf den verschiedenen Wegen Löcher im Boden, die durch Symbolplättchen abgedeckt werden. Der Mitspieler „Rabenhorst“ versteckt den Metallschlüssel geheim unter einem der Symbolplättchen. Seine Figur muß allerdings einen weiteren Weg durch den Wald zurücklegen als die Figur von Robin, der nur auf gut Glück durch den Wald streiben kann, um den Schlüssel zu finden.

Da beide Spielfiguren mit einem Magneten im Fuß ausgestattet sind, wird der Schlüssel von Einem gehoben und er hat die Möglichkeit eines der fünf Schlößer am Turm ausprobieren. War es das richtige Schloß, springt die Prinzessinnen-Figur aus dem Turm. Wenn nicht, muß das Team Robin und Rabenhorst wieder an den Start zurück. Der Zauberer versteckt für die nächste Runde den Schlüssel erneut.

Das Familienspiel ist für Kinder ab 5 Jahren geeignet, aber eine lockere Freundesrunde wird auch ihren Spaß haben. Das Spiel ist sehr schön gestaltet und hat den Preis „Kinderspiel des Jahres 2013“ gewonnen.

Gastbeitrag: „Dewey und seine Freunde“ – Neues (auch) von Page

Buchabbildung: Dewey und seine FreundeNach mehr als 1,5 Jahren bekam ich kürzlich „Dewey und seine Freunde“ – Neue Geschichten vom berühmtesten Kater der Welt. ^^ Anlass für eine Rezension als Gastautorin? Scheint so.

Ich kann Vicki Myron verstehen: Sie hat nach dem Erscheinen des ersten Buchs viel mehr Reaktion und Anteilnahme erhalten als sie es „erwartet“ hätte. Sie hat entschieden, eine Auswahl davon als „Folgeband“ zu veröffentlichen. Weiterlesen

Haftnotiz 89: Sinn des Lebens – Rezension

Ich habe ein neues Buch, eine Autobiographie, eines österreichischen ehemaligen Unternehmers und Segelfliegers gelesen:

Rabeder, Karl ; Schächtele, Kai: Wer nichts hat, kann alles geben : wie ich meine Reichtümer gegen den Sinn des Lebens eintauschte. – München: Ludwig Verlag, 2011. – 240 S. ISBN 978-3-453-28023-6

Karl Rabeder lernte bereits als Kind, dass das Leben nicht dafür da wäre, es zu genießen, sondern dass man ständig in Bewegung und bei der Arbeit sein müsse. Entsprechenden Einfluß hatte seine Großmutter, bei der er mit seiner Mutter seine Kindheit und Jugend verbrachte. Aus kleinen Anfängen heraus, entwickelte sich ein großes Unternehmen zur Herstellung und Vertrieb von Weihnachtsgestecken, Silvesterglücksfiguren u.ä. Dingen zur Verschönerung von Wohnungen. Sein Unternehmen wurde durch seine Zielstrebigkeit so erfolgreich, dass er schon bald zum Millionär und erfolgreichen Segelflieger wurde, der an Wettkämpfen teilnahm.

Er hatte alles, was andere sich in Tagträumen schon mal wünschen. Aber er fand keinen Sinn in seinem Tun. Auf seinen weltweiten Segelfliegerreisen lernte er aber die einfachen Menschen in Lateinamerika kennen: Menschen, die kaum die materiellen Grundlagen für ihr Leben haben, aber trotzdem lachten, herzlich waren und sich über die kleinen Dinge des Lebens freuten.

Diese Erlebnisse brachten in Karl Rabeder eine Veränderung in Gang. Er verkaufte seine Firma, wie auch seine Traumvilla, die er über eine Verlosung abgab und nutzte das Geld für die Anschubfinanzierung seiner Entwicklungshilfeorganisation MyMicrocredit. Nach dem Vorbild der Grameen Bank des Muhammad Yunus in Bangladesh wollte Rabeder nicht Spenden in Entwicklungsländer vermitteln, sondern Kleinstkredite für Kleinstgewerbetreibende, die sich mit dem Geld selbstständig machen können, um ihre eigene Familie zu ernähren. Die Kredite, die von Europa aus gezielt einzelnen Menschen gewährt werden können, werden dann von den Kreditnehmern zurückgezahlt, wenn sie nach entsprechender Ausbildung und Schulung Grundlagen der Unternehmensführung gelernt haben.

Rabeder spricht sich dafür aus, dass jeder überlegen solle, ob es Sinn macht, einem Beruf, einer Arbeit nachzugehen, die ihn nicht erfüllt. Lieber solle man auf etwas Gehalt verzichten und einer Arbeit nachgehen, die einem eine Sinnerfüllung vermittelt. Das Buch hinterlässt in meinen Augen zwiespältige Gefühle: nicht jeder in Deutschland kann sich „aussuchen“, welche Arbeit er nachgeht: die freien Arbeitsstellen fehlen oder man hat vielleicht nur einen Job, der ohnehin nicht den Lebensunterhalt deckt, so dass man dann einer zweiten Arbeit nachgehen muß. Auf der anderen Seite zeigt ein Beispiel wie das von Rabeder, dass alles Jagen nach Geld, Reichtum und äußerer Anerkennung nicht der Sinn im Leben sein kann. Auf jeden Fall ist es aber ein Buch, was zur Diskussion und zum Nachdenken über das eigene Leben anregen kann. Abbildungen des Buchs und weitere Informationen können in diesem, wie auch in jedem anderen Fall einer Buchrecherche ganz einfach über den Karlsruher Virtuellen Katalog durchgeführt werden. Dort sind auch alle wichtigen Buchhandelskataloge angeschlossen. Bei Buchkatalog.de ist auch eine Leseprobe abrufbar.

Haftnotiz 87: Mark Brandis und das strahlende Erbe

Vor über einem Monat ist das Erdbeben in Japan gewesen, in deren Folge der Tsunami und die Atomkatastrophe von Fukushima geschah. Diese Häufung von Katastrophen, Tod und Leid sind zu massiv und nachwirkend, um banale Blogeintrag zu schreiben.

Der Zufall wollte es, dass ich, als die Katastrophe in Japan geschah, gerade den Band Operation Sonnenfacht aus der Mark Brandis-Reihe gelesen hatte. Ich hatte hier in meinem Blog bereits einmal auf die derzeitige Umsetzung in eine Hörspielreihe berichtet. Die Bücher, die Nikolai von Michalewsky in den Siebzigern und Achtzigern als Jugendbücher unter dem Pseudonym Mark Brandis in der Ich-Form verfasst hatte, waren zwar Zukunftsromane, Sciene Fiction, aber es waren bodenständige Geschichten, die nicht von fernen Galaxien oder Außerirdischen handelten. Michalewsky setzte sich im Gewand der Science Fiction mit ganz gegenwärtigen Problemen auseinander. Dabei war auch die Technik nicht im Vordergrund, sondern moralische Probleme und der Mensch stand im Mittelpunkt.

Bereits 1975 erschien in der Mark Brandis Reihe: Operation Sonnenfracht und damit ein Zyklus um atomare Abfälle, die man im 20. Jahrhundert im Berg Kilimandscharo als vermeintlich sicheres Endlager abgeladen und einbetoniert hatte. Im 21. Jahrhundert wird die Welt von Mark Brandis von überraschenden, weltweiten Erdbeben heimgesucht. Und auch das „Endlager“ im Kilimandscharo scheint nicht mehr sicher zu sein. Die zivile Weltraumbehörde VEGA bekommt den Auftrag mit einer umgebauten Flotte von Raumschiffen das strahlende Erbe der Vergangenheit, 3,4 Millarden Liter atomarer Flüssigkeiten, ferngesteuert in die Sonne zu schicken. Zuerst scheint das Unternehmen „Operation Sonnenfracht“ zu funktionieren, mit dessen Leitung Mark Brandis beauftragt wurde. Mark Brandis zweifelt und verzweifelt an der Aufgabe und deren Gelingen. Er ist nicht einfach ein strahlender Held, dem alles gelingt.

In den folgenden Bänden wird die atomare Katastrophe, das Auseinanderbrechen der gesellschaftlichen Konventionen und der Versuch der Menschen mit noch mehr Technik die Folgen des strahlenden Erbes zu beseitigen in einer spannenden Erzählung verpackt, die in der Zukunft spielt. Es sind natürlich „nur“ Romane – aber sind die realen Vorgänge so weit entfernt?!

  • Operation Sonnenfracht
  • Alarm für die Erde
  • Countdown für die Erde
  • Kurier zum Mars

Kann man eine Technik verantworten, deren Folgen  auch erst in Jahrhunderten eintreten könnten? Eine durchaus ethisch-moralische Frage für die Gegenwart und Zukunft.

Im Buch Operation Sonnenfracht heißt es: Zitat: „Das vom Fortschrittswahn berauschte Zwanzigste Jahrhundert hatte uns sein tödliches Erbe hinterlasssen, leichtfertig, skrupellos, ohne sich den Kopf zu zerbrechen, ob wir, die Nachkommen, es überhaupt wollten.“

Zitiert nach der Neuauflage des Bandes aus den Siebzigern: Brandis, Mark: Operation Sonnenfracht. Nittendorf, 2009, S. 32

Können wir den Nutzen der Energiegewinnung für uns in Anspruch nehmen und die Lasten noch nicht geborene Generationen überantworten? – Dem Zitat aus dem Buch „Operation Sonnenfracht“ ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Weitere Informationen zu den Büchern, der Umsetzung als Hörspielreihe, sowie dem Zyklus um die Operation Sonnenfracht.

Haftnotiz 86: Blogger-Krimi – Rezension

Nach langer Zeit möchte ich hier wieder etwas über ein Buch schreiben, das ich vor wenigen Tagen gelesen habe. Vero hatte sich ja mal vor längerer Zeit Rezensionen gewünscht. Sie hatte mir auch geraten, Pingbacks wieder zu verwenden, was ich hier nach langer Zeit wieder versuchen möchte. Vielleicht weiß sie oder einer der anderen Leser, ob man das Cover eines Buchs so einfach kopieren und in einen privaten Blog einfügen darf. Es handelt sich um da neue Buch von Joanne Harris und heißt Blaue Augen. Auf dem Cover ist ein Mann, der im Buch als Mann in den Vierzigern geschildert wird, der aber auf dem Cover jünger wirkt. Durchdringende blaue Augen blicken den Leser aus einem grau/schwarzen Hintergrund an. Joanne Harris ist die britische Autorin, die die Romanvorlage für den Film „Chocolat“ geschrieben hat. Sprachgewaltig, wie in ihren anderen Büchern, lotet Harris das Böse in ihrem neuen Buch aus. Früher schrieb man Brief- oder Tagebuchromane. Harris hat nun einen Blogger-Krimi vorgelegt. „blauauge“ ist in den Vierzigern, lebt bei seiner herrschsüchtigen alleinerziehenden Mutter. Er hat auch zwei Brüder, mit denen er sich aber nie verstand. Im Blog „boesebuben“ traut sich „blauauge“ seine bösen und brutalen Gefühle, Erlebnisse und Gedanken zu erzählen und sich mit anderen Gleichgesinnten auszutauschen, die ebenfalls dort im Blog schreiben. „blauauge“ erzählt seine Lebensgeschichte, wie er bereits als Kind vor der Geburt im Leib seiner Mutter seinen Zwillingsbruder „verschluckt“ habe. Er sehnt sich nach Aufmerksamkeit und danach, etwas Besonderes zu sein, aber er ist nur ein Sohn einer alleinerziehenden Mutter, die sich als Putzfrau ihr Geld verdient. Nie kann sich der Leser sicher sein, was real ist, was Phantasie. Hat „blauauge“ wirklich mehrere Morde begangen, die er im Blog gesteht? Und dann kommt eine weitere Bloggerin ins Spiel: Albertine. Irgendwie sind sie und „blauauge“ miteinander verbunden. Auch ihre Blogeinträge werden ins Buch eingeflochten. Soweit die Blogeinträge öffentlich und nicht als private Einträge eingeschränkt zugänglich sind, hat Harris auch Kommentare der Mit-Blogger angefügt. Das ganze Buch ist ein Spiel mit den Identitäten, die sich Menschen im Netz geben: nicht nur falsche Namen, sondern auch ein ständiger Wechsel zwischen einem Schreiben in der ersten und dritten Person, ein Wechsel zwischen Phantasie und Realität – wo fängt das eine an, wo hört das andere auf? Je weiter man als Leser kommt, umso mehr überraschende Wendungen nimmt das Buch. – Vielleicht ist nur das letzte Kapitel in dem Punkt etwas unrealistisch, dass „blauauge“ sich im dramatischen Ende Zeit nimmt, an seinem Blog zu schreiben. – Auf jeden Fall ein Buch, dass sich zu lesen lohnt.